Zukunftsmedizin

Datenmedizin

Können unsere Daten dabei helfen unser Leben zu verbessern und Krankheiten frühzeitig zu erkennen und zu heilen? Dieser Frage gehen wir in dieser Rubrik auf den Grund.

Alle Daten auf einen Blick

Das Technologieunternehmen Aimedis hat eine digitale Plattform für alle medizinischen Informationen eines Patienten entwickelt.

Die klassische Handakte aller Ärzte auf dem Smartphone des Patienten? Ein vernetztes System, auf das Ärzte, Kliniken und andere medizinische Einrichtungen von überall auf der Welt zugreifen können? Telemedizinische Angebote, um beispielsweise vor einer Operation mit dem Chirurgen übers Tablet zu sprechen? Um dies zu ermöglichen, hat das niederländische Start-up Aimedis seine gleichnamige Plattform entwickelt. Der Hintergrund: „Wir möchten Patienten endlich die vollständige Kontrolle über ihre Gesundheitsdaten geben und sie vor, während und nach einer Behandlung mit weitreichenden Informationen und Services unterstützen. Aimedis ist für uns die Gesundheitsplattform der Zukunft“, sagt Gründer Michael Kaldasch. Er hat das Unternehmen zusammen mit Ben El Idrissi gegründet. Beide Gründer sind Ärzte, daher kennen sie die Wünsche, die die Patienten umtreiben, genauso wie die Anforderungen, die Praxen und Krankenhäuser an digitale Lösungen stellen.

„Wir bündeln auf unserer Plattform sämtliche Gesundheitsdaten von Patienten. Auf diese Weise hat der Anwender immer alle Diagnosen, Therapien, Rezepte etc. auf einen Blick dabei und kann immer darauf zugreifen. Das erspart beispielsweise bei einer Einweisung ins Krankenhaus Untersuchungen und Rätselraten über Vorerkrankungen und macht die Abläufe wesentlich effizienter. Krankenhäuser sparen damit Ressourcen ein und können sich auf die wirklich wichtige Arbeit konzentrieren“, erläutert Michael Kaldasch. Die Patienten können ihre Daten selbst eingeben oder Aimedis damit beauftragen, die Krankenakten zu digitalisieren. Ideal sei es laut dem Gründer, wenn die Arztpraxis sich dem System gleich anschließe. „Das führt zu einem erheblich verbesserten Prozess, da die Mitarbeiter die Daten gleich eingeben können und damit Zugriff auf ein konsolidiertes System haben.“

Sorge um die Daten müsse niemand haben, sagt der Vorstand. Der Server für die deutschen Patienten stehe in Frankfurt am Main, die Blockchain-Technologie, auf der das System basiert, mache die Daten fälschungs- und zugriffssicher. Wie das funktioniert? Ganz einfach: Die Blockchain bezeichnet eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, den sogenannten „Blöcken“, welche mittels kryptographischer Verfahren miteinander verkettet sind. Auf diese Weise wird ein dezentrales Buchführungssystem geschaffen, das zu jeder Zeit fälschungssicher ist. Will heißen: „Jeder Zugriff auf die Daten wird dokumentiert, sodass jeder Patient kontinuierlich überprüfen kann, was mit den Daten geschieht. Eine höhere Sicherheit ist kaum möglich.“

Aimedis kombiniert diese Sammlung der Gesundheitsdaten mit Onlinerezepten, Videoberatung mit Ärzten und Psychologen, Informationen zu Gesundheitsthemen, den Daten von Fitness-Trackern und mehr. Damit will Aimedis die Nutzer rund um die Uhr bei allen ihren Gesundheitsfragen begleiten und einen digitalen Anlaufpunkt schaffen. Das hat mittlerweile tausende Patienten, mehrere Klinikketten in vier Ländern sowie einige Pharmakonzerne erreicht, die sich Aimedis schon angeschlossen haben.

„Für Anwender sind unsere Services über die Apps für Apple- und Android-Geräte kostenlos. Momentan fallen nur für bestimmte Dienstleistungen innerhalb der Plattform Kosten an. Viele dieser Kosten können jedoch in Zukunft von den Krankenkassen übernommen werden“, sagt Michael Kaldasch.

Den Gründern steht neben den Kollegen im operativen Management ein hochkarätig besetzter Beirat zur Seite. Diesem gehören unter anderem der Neurologe Prof. Dr. Volker Hömberg, Präsident der World Federation for NeuroRehabilitation (WFNR), und die renommierten Kardiologen Prof. Dr. Hartmut Gülker, Prof. Dr. Georg Sabin und Prof. Dr. Hubertus Heuer sowie Persönlichkeiten aus der Wirtschaft wie Dr. Michael Philippi an, der bis 2016 Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken AG war.

Patrick Peters

Experte

Michael Kaldasch

Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Aimedis B.V.

„Krankenhäuser können sich auf die wirklich wichtige Arbeit konzentrieren“




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