Zukunftsmedizin

Smart Hospital

Keine Wartezimmer, Sprechstunden in der virtuellen Realität, Patienten Akten auf dem Tablet. All diese Dinge sind Visionen eines modernen Gesundheitswesens. Wir beleuchten neue Technologien und besprechen mit unseren Experten was bereits möglich ist.

Begleiter auf der Reise des Patienten

Im Krankenhaus der Zukunft werden die Patienten auf dem Weg ihrer Gesundung durch neue digitale Prozesse unterstützt.

Für die Paracelsus-Kliniken hat die Zukunft bereits begonnen. Saniert und geführt von einem neuen Eigentümer (Beteiligungsholding Porterhouse Group AG) aus der Insolvenz entlassen, stellt sich die Klinikkette mit ihren 21 Standorten und insgesamt 40 medizinischen Einrichtungen in ganz Deutschland aktuell so auf, dass sie den künftigen Anforderungen in einem sich wandelnden Gesundheitsmarkt begegnen kann. „Exzellente Medizin und Pflege anzubieten und dabei wirtschaftlich erfolgreich zu sein, setzt voraus, dass wir organisatorische und kommunikative Abläufe ganz neu aufstellen“, erklärt Prof. Dr. Michael Philippi, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Paracelsus. Sichtbares Zeichen für diesen grundsätzlichen Wandel ist der neue Geschäftsführungsbereich „Technologie- und Innovationsmanagement“, den Fabian Pritzel bei Paracelsus verantwortet.

„Viele Herausforderungen, vor denen wir stehen, gelten für die deutschen Krankenhäuser generell. Im Fokus steht vor allem, IT-Systeme, Hard- und Software miteinander zu vernetzen und ein einheitliches System aufzubauen. Und zwar so, dass es nicht nur an einem Standort funktioniert, sondern über alle Häuser hinweg. Das gewährleistet einen schnellen Informationsfluss und einen professionellen Datenaustausch. Je besser beispielsweise Qualität und Verfügbarkeit von Patientendaten sind, desto effizienter können Krankenhäuser arbeiten“, sagt Fabian Pritzel, Geschäftsführer für Technologie- und Innovationsmanagement der Paracelsus-Kliniken. Er sieht den Neustart des Unternehmens nach der Insolvenz als eine große Chance. „Jetzt heißt es neu zu denken und eine gemeinsame technologische Basis zu schaffen, über die wir unsere medizinischen Dienstleistungen und die Administration quantitativ und qualitativ auf höherem Niveau bewerkstelligen können.“

Ein Selbstläufer sei dies nicht, weiß der Experte. Im Idealfall werde ein zentrales System geschaffen, an das alle Krankenhäuser in Deutschland über eine Schnittstelle für den Daten- und Informationstransfer angebunden seien. In Dänemark ist dies gelungen – „in Deutschland ist eine nationale Lösung aufgrund der Größe aber nur schwer denkbar. Wichtig ist jedoch, dass Krankenhausbetreiber diese Schnittstellen selbst entwickeln und intern und extern einsetzen, also auch für Drittanbieter und niedergelassene Ärzte“, sagt Fabian Pritzel.

Sein Plan: Er will die Paracelsus-Kliniken in einem Fünfjahresplan digitalisieren, um die Grundlagen für verbesserte administrative und organisatorische Prozesse und insbesondere eine optimierte „Patient Journey“ zu schaffen. Diese Reise des Patienten beschreibt, wie ein Patient seinen Gesundheitsprozess „erlebt“, und zwar in allen Schritten – von den ersten Symptomen über den Kontakt zu Medizinern und Pflegekräften bis hin zur Diagnose, Therapie und angrenzenden Maßnahmen. Auch telemedizinische Angebote zählt er dazu. Diese setzt Paracelsus bereits erfolgreich ein, um Patienten mit ärztlichen Meinungen über digitale Kanäle zu versorgen, oder auch, um Diagnosen zu stellen und Therapien zu besprechen.

„Digitalisierung macht es uns möglich, den Patienten in den Paracelsus-Kliniken bestmöglich abzuholen und durch den gesamten Krankenhausaufenthalt zu leiten. Und die Vernetzung mit dem Patienten beginnt schon vorher. Nämlich dann, wenn er sich über Krankheiten, Therapiemöglichkeiten und Ärzte informiert. Auf diese Weise machen wir ihn auf die Angebote unserer Häuser aufmerksam“, umreißt Pritzel künftige Prozesse.

Fabian Pritzel benennt ziemlich konkret Punkte in der deutschen Krankenhauslandschaft, die reformbedürftig sind und die er bei den Paracelsus-Kliniken zu verändern gedenkt. Dazu gehört beispielsweise, Wartezeiten für Patienten zu verkürzen, etwa durch ein verbessertes Aufnahmeverfahren, die Vernetzung von Daten und den Abbau von administrativen Hürden für die Ärzte, die dadurch wiederum mehr Zeit für die Patienten gewinnen. Aber auch schnelles und kostenfreies WLan im Krankenhaus ist für ihn ein must-have. „In der Hotellerie ist dies längst ausschlaggebendes Buchungskriterium. Wer glaubt, dass das bei der Wahl eines Krankenhauses, sei es zur Entbindung oder für eine planbare Operation, keine Rolle spielt, der irrt“, ist Pritzel überzeugt.

Entscheidend bei allen diesen Veränderungsprozessen im Rahmen der Digitalisierungsstrategie ist ein allgemeiner Kulturwandel, betont Fabian Pritzel. „Die Führungskräfte und Mitarbeiter dürfen Digitalisierung nicht als notwendiges Übel verstehen, sondern müssen erkennen, dass innovative Lösungen echte Mehrwerte stiften und den Wettbewerb positiv beeinflussen. Durch konsequente Digitalisierung begegnen wir den Wünschen und Vorstellungen der Patienten bereits heute, die ohnehin irgendwann darüber entscheiden werden, welche Angebote sie nutzen und welche eben nicht. Digitaler Wandel erfordert radikale Offenheit von allen Beteiligten.“

Patrick Peters

Experte

Fabian Pritzel

Geschäftsführer für Technologie- und Innovationsmanagement
der Paracelsus-Kliniken

„Digitaler Wandel erfordert radikale Offenheit von allen Beteiligten“




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